Von Hochhäusern und Kirchen

Von Kirchen und Hochhäusern

Die Architektur Georgiens ist anders, anders als erwartet. Wenn man vom Flughafen Tiflis in die Innenstadt fährt, begegnet man einerseits typischen sozialistischen Betonbauten, die brutalistischen Charme versprühen, jedoch auch futuristischen Glaskonstrukten, wie beispielsweise dem Hauptquartier der Polizei oder der Kuppel des Präsidentenpalasts. Eine Vielfalt an unterschiedlichen Gebäuden verschiedener Epochen, die Tür an Tür stehen, prägen das Stadtbild.

Kirchen und noch mehr Kirchen

Dass die Religion in einem der ältesten christlichen Ländern der Welt eine wichtige Rolle spielt, liegt auf der Hand. Christlich Orthodoxe Kirchen mit ihren schwungvollen Kreuzkuppeln, den markanten Türmen und warmen Farbtönen stehen in beinahe jedem Dorf. Der Religion, beziehungsweise dem architektonischen Ausdruck davon, kann man sich daher auch nur schwer entziehen. In Reiseführern werden die georgischen Kirchen oft als Ausflugsziel Nummer 1 angepriesen. So erstaunt es wenig, dass vielerorts die dorfeigene Kirche auch von den Einheimischen als Attraktion bewertet wird.

Saakashwilis Annäherung an den Westen

Micheil Saakaschwili kommt 2003 an die Macht und startet sogleich Reformationsprogramme, die das Land in Richtung Westen ausrichteten. Quasi als Leuchttürme dieser Reformationspolitik findet man seither im ganzen Land modernste Architektur, die anders ist, als bisher Bekanntes. Eine Brücke mit 30’000 LED Lampen, die die georgische Nationalflagge abbilden, ein Verwaltungsgebäude, welches einem Launchpad für Spaceshuttles gleicht, ein Hochhaus mit einem Riesenrad auf halber Höhe, oder ein McDonalds, der mehrere internationale Architekturpreise gewonnen hat. Der Kontrast zwischen den sowjetischen Plattenbauten, orthodoxen Kirchen, heruntergekommenen Häusern und modernen Hochhäusern ist stark und der architektonische Fussabdruck, der Saakashwili in seinem Land zurückgelassen hat, gross.

Dass sich Saakashwili mit den futuristischen Bauwerken nicht nur Freunde gemacht hat, erfahre ich unter anderem auch in Kutaissi. Ein Taxifahrer erzählt mir, dass der damalige Präsident das gesamte georgische Parlament 2012 in die rund 200 Kilometer westlich gelegene Stadt verschob. Die riesige Glaskugel am Stadtrand wurde für mehr als 70 Millionen Franken errichtet. Seit Saakashwili nun nicht mehr Präsident ist, erklärt mir der Taxifahrer, werden Möglichkeiten gesucht, die Parlamentssitzungen wieder in Tiflis abzuhalten. Da sich jedoch für das gläserne Parlamentsgebäude nur schwer andere Nutzungsmöglichkeiten finden lassen, wird dies wohl nicht so schnell geschehen.